Dienstag, 21. Dezember 2010

Meine ersten Tage in Ecuador


... hatte ich mir anders vorgestellt.
Joe holte mich am Flugahfen ab, mit einem Blumenstrauss- und einer schlechten Nachricht. Seine Bronchitis ist so schlimm geworden, dass der Arzt meinte, er muesse noch am gleichen Tag ins Krankenhaus.
So verbrachte ich also meinen ersten Tag in Ecuador: in Joes Apartment, Koffer abstellen, Koffer packen fuer die naechsten drei Tage Krankenhaus, Arzt treffen, kleine Stadttour aufm Weg zur Klinik..
Im Krankenhaus kann dann keiner Englisch, man muss sich also mit seinem Spanisch durchschlagen. Irgendwann nach einem kleinen buerokratischen Kleinkrieg haben wir endlich ein Privatzimmer. Joe das Krankenhausbett, ich eine kleine Besuchercouch, Kuehlschrank, Fernseher, eigenes Bad, Rund-um-die-Uhr-Service. Fast ein wenig Urlaub, trotzdem sind wir nach den Tagen froh dort rauszukommen und endlich sehe ich ein wenig mehr von der Stadt.

Wir waren auf einem Friedhof, der groesste und schoenste, den ich je gesehen habe. Nicht umsonst wird er auch "la ciudad blanca" (die weisse Stadt) genannt.
Danach sind wir noch in den Parque de Iguanas. Da laufen einfach hunderte von ihnen frei herum und lassen sich anfassen- sie sind eben schon sehr an die Menschen gewoehnt..
Gleich daneben steht die Catedral de Guayaquil, wirklich schoen.
Samstag Abend waren wir bei einer kleinen Weihnachtsfeier von Joes Freunden hier. Auch wenn bei uns absolut keine Weihnachtsstimmung aufkommt, geben wir doch unser bestes ;) Der Abend war schoen, aber irgendwie wohl auch anders als er in Duetschland ablaufen wuerde. Der Vater vom Gastgeber war da und hielt eine recht emotionale Rede (soweit ich es verstehen konnte). Ausserdem wurden Geschenke untereinander ausgetauscht und was mich besonders beruehrte, dass sie sogar an mich gedacht hatten. So bekam ich ein Armband,was mich wohl immer an die schoene Zeit hier erinnern wird.
Nach dem Geschenkeaustausch hielt dann noch jeder eine kleine Rede, es ging sogar einigermassen gut mit meinem Spanisch. :)
Danach wurde getanzt, natuerlich auch Merengue und Salsa. Nun ja,der Hueftschwung will bei mir immer noch nicht so richtig, aber ich habe ja noch ein wenig Zeit...

Ansonsten muss ich sagen, dass mir Ecuador oder viel mehr Guayaquil vom ersten Eindruck sehr gut gefaellt und es ist interessant Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Costa Rica zu finden.
Dadurch,dass Guayaquil natuerlich viel groesser ist, gibt es hier einfach mehr (wenn auch immer noch sehr wenig)kulturelles Leben. So fand am Wochenende z.B. ein Festival de la musica statt und montags gibt es in der Uni kulturelle Abende. Gefaellt mir!

Ausserdem gefaellt mir das Stadtbild viel besser. Waehrend San Jose wirklich grau und dreckig wirkte,gibt es hier wirklich viele huebsche Gebaeude, kleine Parks zum Erholen, die wirklich schoen angelegt sind. Es gibt natuerlich haessliche Ecken wie in jeder anderen Stadt auch, aber man findet eben auch Plaetze zum Entspannen. Gefaellt mir!

Was das Essen angeht, habe ich leider noch nicht so viel Typisches gegessen,aber auch der Reis gehoert hier zu jeder Mahlzeit dazu. Gefaellt mir langsam nicht mehr! Dafuer gibt es hier ab und zu zum Reis auch noch Kartoffeln. Gefallt mir sehr! Und das Essen ist hier im Vergleich zu Costa Rica viel guenstiger. Der costa ricanische Mensafrass (reis, Fleisch, Bohnen, Getraenk,Obst) hat immer gute 3 Dollaer gekostet, hier bekommt man eine Suppe, Hauptgericht (Reis, manchmal plus Kartoffeln, Fleisch) und ein Getraenk fuer 1.75Dollar. Finde ich sehr gut!

Das Spanisch unterscheidet sich auch ein wenig von dem in Costa Rica, hier werden natuerlich ganz andere Slang Woerter benutzt. Die groesste Umstellung mit der ich allerdings zu kaempfen habe ist die, dass man in Costa Rica jeden gesizt hat (Eltern sizen sogar ihre Kinder..), hier ist es aehnlich wie in Duetschland, nur Respektpersonen werden mit Sie angesprochen. Momentan denken wahrscheinlich viele Menschen hier ich waere extrem hoeflich, in Wirklichkeit ist es mir einfach gar nicht bewusst, dass ich eben Kommilitonen von Joe sizen statt duze. Sprachumstellung!? Weiss ich noch nicht, ob mir das gefaellt..

Montag, 13. Dezember 2010

Karibik und die letzten Tage in Costa Rica



Wo ist die Zeit geblieben? Die letzten fuenf Monate scheinen im Fluge vergangen zu sein.. Die letzten Hausarbeiten wurden abgegeben, die letzten Pruefungen abgelegt, alle Kurse bestanden.. Uni ist vorbei in Costa Rica!
Das Ende des Semsters wurde dann natuerlich kraeftig gefeiert. Bei Kommilitonen wurde sich getroffen und der letzte Abend in dieser Runde zusammen verbracht. Lustig wars auf jeden Fall,man hat schon einige liebe Menschen kennengelernt.
Nach der Party um 3Uhr nachts sind wir (steffi,Mandy und ich) und 2 Kommilitonen dann Richtung Limon aufgebrochen. Es lagen also gute 8 Stunden Busfahrt vor uns..
Da die beiden Typen (Waldin und Gerardo) dort beim Canopy arbeiten, hatten wir das Glueck mit ihnen kostenlos eine Tour zu machen (sonst kostet das 100 Dolllar..verrueckt!).
Nach einem langen und anstrengend Aufmarsch wurden wir mit einem herrlichen Blick ueber die Stadt Limon belohnt, ausserdem gab es Bananen frisch vom Baum gepflueckt als kleine Staerkung. Ich wuerde sagen, die besten Bananen, die ich wohl je gegessen habe!?
Dann ging es ueber einige Leinen wieder abwaerts. Da ich ja schon einmal die Moeglichkeit hatte Canopy zu machen, war es nicht mehr ganz so Nervenkitzel wie beim ersten Mal, Spass hatten wir aber auf jeden Fall.
Danach ging es schnell in den Supermarkt, Eindecken mit dem Noetigsten. Wir Maedels hatten keine Vorstellung was uns als naechstes genau erwartet, aber kurze Zeit spaeter sassen wir schon in einem Boot Richtung einsame Insel vorm Hafen Limons. Dort angekommen,war es leider schon so dunklen,dass man nicht mehr viel erkennen konnte- aber so viel gab es da ja auch nicht. Es gibt lediglich ein Haus, was von einem Mann und seinen Tieren bewohnt wird. Er ist eine Art Waechter des Gebaeudes,was spaeter einmal als Museum genutzt werden soll.
Den Abend sassen wir dann auf dieser Insel, unter Sternenhimmel mit Blick auf Limons Hafen und mehr brauchte man auch nicht. Es war wirklich so schoen!
Der Mann hatte uns angeboten,dass wir alle in seinem Haus schlafen koennen,allerdings hatten wir uns die Raeume mal angeschaut und uns dann doch dazu entschlossen erst einmal es zu versuchen unter Sternenhimmle zu schlafen. Irgendwann mitten in der Nacht sind wir dann aber bibbernd aufgewacht (Limon ist eben viel kaelter als Liberia und auf si einer einsamen Insel gibt es ja auch nicht so viel Windschutz..) und haben uns doch fuer das Haus entschieden. Da es dunkel war, konnten wir die Kakarlaken um uns herum wenigstens nicht sehen. Es war eher eine kurze Nacht unter diesen Umstaenden und so sind wir dann mit Sonnenaufgang raus in die Sonne und haben gefruehstueckt. Es war schon eeher so ein Back-to-the-roots- feeling dort. So ohne Duschen, nur Natur um uns herum sassen wir dort und zerschnitten unsere Fruehstuecksfruechte mit dem Taschenmesser.. Danach gab es noch Kraeutertee vom Waechter, frisch gepfluckte Bananen und Kokosnuss. Als die Sonne genug Helligkeit spendete sind wir dann also aufgebrochen zu einer kleinen Inselbesichtigung- klein aber schoen.
Am Morgen ging es dann wieder mit dem Boot zurueck in die Stadt- ziemlich haesslich und auch eher gefaehrlich. Somit entschlossen wir uns dann weiter zu fahren nach Cahuita.
Ein kleines Dorf, etwa 3 Stunden Busfahrt entfernt, direkt an der Karibikkueste. Dort haben wir uns dann einen Tag im Nationalpark am Strand gegoennt (wenn man die Tricks kennt,muss man auch kein Eintritt bezahlen).
Naechsten Tag ging es dann ins naechste Dorf, ein wneig groesser,ein wenig mehr Touri: Puerto Viejo. Dort haben wir Maedels in einem kleinen Bungalow gewohnt,nur wneige Meter vom Wasser entfernt. Nachdem wir auch dort einfach nur faul am Strand rumlagen,ging es leider auch schon wieder zurueck nach Liberia.
Das war wirklich ein super Wochenende- viel erlebt und dafuer nicht mal viel bezahlt. Man muss nur die richtigen Leute und die Tricks kennen ;)
In Liberia gab es dann einen Abend in Mandys Gastfamilie ein Abschiedsessen, wie sollte es anders sein: Arroz con pollo (Reis und Haehnchen). Es war ein schoener Abend, viel gegessen, viel gelacht, viel getanzt (auch zu deutscher Musik!).
Den darauffolgenden Abend gab es dann meine kleine "Abschiedsfeier". Wir waren alle Sushi essen und hatten einen genialen Abend. Da schon VOR dem Essen ein wenig traurige STimmung aufkam, fuehrte Eugenia das Motto ein "mejor de estar borracho de estar triste" (lieber betrunken als traurig..)...
Naechstes Morgen brachte mich Eugenia dann zum Bus, einige Traenen rollten,aber ich musste mich ja aufmachen in die Hauptstadt um mein Visum endlich zu bekommen.
Nun bin ich also hier in San Jose bei Mo,der hier sein Praktikum macht und mich liebenswuerdigerweise aufnimmt uebers Wochenende. Mein Visum habe ich jetzt in der Tasche und so konnte ich die letzten Tage ganz unbeschwert geniessen.
Mo und ich waren hier beim Festival de la luz. Nun ja,ich weiss nicht so recht wie ich es beschreiben soll. Viele Menschen draengeln sich auf den Strassen um etwas von der Parade zu sehen. Viele stehen auf Plastikstuehlen(Mo und ich natuerlich auch..man will ja dazu gehoeren) um dann doch wenigstens eine Idee davon zu bekommen, was dort gerade an einem vorbeizieht. Ich hatte mir von dem Festival ehrlich gesagt etwas mehr erwartet. Lichterfestival- das bedeutet in Duetschland special Effects, Leuchtkegel, Lasershow.. Hier stolzieren Musiker die Strasse entlang mit einem LED Licht in den Haaren und die Menschen rasten aus. Es gab einige Festwagen, die zwar beleuchtet waren, aber sonst irgendwie eher keinen Sinn zu machen scheinen. Ach,aber die Leute fanden es toll und es ist doch auch schoen sich ueber eher einfache Sachen zu freuen :)
Gestern waren Mo und ich dann in der Stadt um irgendwie in Weihnachtstsimung zu kommen.. Ohne Adventkalender, Nikolaus, Plaetzchen, Weihnachtsbaum, Kaelte und Schnee faellt es mir dieses Jahr doch eher schwer.. aber wir haben es wenigstens versucht (siehe Fotos).
Morgen frueh um 8.30Uhr geht mein Flieger Richtung Ecuador und damit ist meine Zeit hier nun endgueltig vorbei.

Auch wenn sicherlich einige Dinge in den letzten Monaten passiert sind, die eher nicht so schoen waren, so hatte ich hier doch eine unvergessliche Zeit, die ich nicht missen moechte. Ich bin froh, dass mir die Moeglichkeit gegeben wurde, das hier machen zu koennen und freue mich schon auf die folgenden Monate.