
...es ist wieder viel passiert seit meinem letzten Beitrag :)
Weihnachten war dieses Jahr mal ganz anders. Die Sonne schien ironischerweise gerade am 24.12. besonders stark und so musste ich mich wirklich oefter selbst daran erinnern,dass Heiligabend ist.
Joe und ich hatten das Glueck, dass uns eine Freundin von ihm zum Weihnachtsessen mit ihrer Familie eingeladen hatte. Somit konnten wir das ecuadorianische Weihnachten hautnahe miterleben.
Man hat ja keine Ahnung wie andere Laender feiern, so fragten wir uns schon, ob bei der Einladung von ihr nun zehn Uhr morgens oder abend gemeint war. Wie sich herausstellte, feiern die Ecuadorianer sehr spaet am Abend Weihnachten.
So tauchten wir um kurz nach 22Uhr bei der Freundin auf und wurden begruesst- von einer herzlichen Familie, einem schoen geschmueckten Tannenbaum (endlich mal einer, der nicht wie wild blinkt) und einer Weihnachtskrippe (huebsch mit M&Ms Lichterkette geschmueckt).
Zwar wird Weihnachten wie in Deutschland in der Familie gefeiert, aber irgendwie war es anders... Man sass nicht zusammen und unterhielt sich, irgendwie lief alles so verteilt ab. Hier sass jemand, dort war jemand und jeder beschaeftigte sich so fuer sich. Auch wenn Weihnachten keine grosse Bedeutung fuer mich hat, so fand ich das schon irgendwie schade..
Das Essen war allerdings grossartig. Es gab Reis (natuerlich!) mit Truthahn, das traditionelle Essen zu Weihnachten. Danach habe ich mir noch Kuchen und Schokoplaetzchen schmecken lassen. Wir sassen lange am Tisch, haben gegessen und uns unterhalten, aber irgendwie lief dann die Bescherung auch wieder so getrennt ab. Einige hatten schon ihre Geschenke, andere bekamen sie gerade so nebenbei und irgendwann tauschten auch wir unsere Geschenke aus. Gegen 2 Uhr schlief die Tante schon beim Reden ein und wir machten uns auf den Weg nach Hause um uns am naechsten Morgen das naechste Weihnachtsessen schmecken zu lassen.
Am ersten Weihnachtstag waren wir bei der Familie, bei der Joe anfangs fuer einige Zeit gewohnt hatte. Hier wurden wir wirklich sehr herzlich aufgenommen und ich habe mich richtig wohl gefuehlt. Die Familie ist wirklich sehr nett und die Mutter hatte gekocht. Nach einer leckeren Kaesesuppe gab es auch hier leckeren Truthahn. Nach dicker Torte ruhten wir uns aus um fit zu sein fuer unsere Reise...
Joe hatte zwischen Weihnachten und Silvester frei und so machten wir uns auf nach Cuenca, etwa 5 Busstunden von Guayaquil entfernt. Nachdem viele Ecuadorianer uns vor der Busreise gewarnt hatten, hatte ich eine Horrorfahrt erwartet, aber es war alles andere..
Natuerlich habe ich mich schon an den etwas speziellen Fahrstil der Ecuadorianer gewoeht, so konnte ich die schoene Bilderbuchlandschaften geniessen.
Cuenca war wirklich schoen. Also, wirklich wirklich schoen. Etwas fuers Auge. Architektur, kleine suesse Strassen mit noch suesseren Haeusern und Restaurants.
Cuenca ist die drittgroesste Stadt Ecuadors, aber es ist so viel ruhiger und schoener als Guayaquil. Man konnte mal wieder richtig durchatmen, und das kann man woertlich nehmen. Die Stadt liegt auf 2.550 Meter, die Luft ist richtig frisch, aber natuerlich auch super kalt. Nach einigen Monaten in absoluter Waerme habe ich wirklich gefroren. Ich hatte eigentlich alles einigermassen Warme an,was ich nur hatte...
4 Tage blieben wir in Cuenca, so hatten wir ein wenig Zeit die Stadt kennenzulernen... die vielen Kirchen und die huebschen Gebaeude, aber auch die Restaurants. Wir fanden zwei oesterreichische Gaststaetten und liessen es uns schmecken. Mittagstisch fuer vier Dollar und dafuer endlich mal eine lecke Suppe mit Kartoffeln und vor allem Gulasch mit Kartoffeln, yammi:)
Am dritten Tag sind wir von Cuenca aus nach Inka Pirca gefahren, alte Inkaruinen. Es war ganz interessant, ich hatte es mir aber doch noch spannender vorgestellt, da ausser des Sonnentempels doch nur alles nachgebaut war. Aber die Landschaft war atemberaubend. Grasende Kuehe, frisches gruenes Gras, endlose Blicke.. fast ein wenig wie in den Alpen.
Auf dem Rueckweg von Cuenca nach Guayaquil haben wir noch an einem National Park Halt gemacht,der auf unserem Weg lag. Wir hatten nur zwei Stunden Zeit bis der Bus nach Guayaquil kommen wuerde, somit suchten wir uns einen kurzen Wanderweg aus. Bei frischer Luft und bestem Wetter machten wir uns auf. Schenll wurde klar, dass die Luft hier doch noch um einiges duenner ist und so war es recht anstrengend. Ganz ploetzlich aenderte sich dann noch das Wetter. Starker Regen prasselte nur so auf uns runter... Da half kaum noch die Regenjacke. Wir machten also notgedrungen Kehrt und zogen uns die einzigen trockenen Klamotten an, die wir noch hatten. Ein Wunder, dass der Busfahrer so ueberhaupt fuer uns angehalten hatte.
Nach endlosem Hin und Her und doch Unschluessigsein was wir nun Silvester machen, fanden wir uns am 31.12. am Busterminal in Guayaquil wieder mit dem Plan nach Montanita zu fahren, eines der schoensten und bekanntesten Kuestendoerfer in Ecuador.
Was wir dort am Busterminal erlebten, kann ich leider kaum in Worte fassen. Ganz Guayaquil schien Reiseplaene zu haben, die Schlange schien endlos und es wurden sogar schon Wellenbrecher aufgestellt um die Masse zu lenken. Selbst das Fernsehen war vor Ort und berichtete von den Menschenmassen, ueberall Ecuadorinaer und irgendwo dazwischen die blonde Deutsche. Natuerlich werde ich angesprochen um ein Interview zu geben...
Mit der Aussicht vielleicht nicht einmal mehr ein Busticket zu ergattern, geschweige denn eine Unterkunft in Montanita zu bekommen, aenderten wir spontan unseren Plan und gingen zu einem leeren Busterminal. So sassen wir kurze Zeit spaeter in den Bus Richtung Playas, irgendwer hatte uns doch auch gesagt, dass es dort echt schoen sein soll und weit weg ist es auch nicht.
Dort angekommen sinkt meine Stimmung rapide, die Luft ist dreckig, die Stadt ist laut, die Menschen sind unfreundlich und der Strand nicht wirklich schoen. Hier Silvesterfeiern kommt einfach nicht in Frage, als uns dann noch erzaehtl wird, dass es wirklich gefaehrlich dort ist, sehen wir es ein. Hier koennen wir einen Tag am Strand verbringen, mehr nicht. Am Silvesterabend fahren wir also wieder nach Guayaquil. Eher ein Tag, an dem alles schief gelaufen ist, vielleicht waren wir diesmal einfach zu spontan gewesen.
So kommen wir 22Uhr abends wieder in Guayaquil an, setzen uns auf Joes Dachterrasse und schauen uns das Feuerwerk ueber den Daechern Guayaquils an. Es gibt hier die Tradition,dass die Ecuadorianer zu Silvester Puppen ("viejos") anzuenden um all das Schlechte des alten Jahres zu verbrennen. Diese Figuren koennen richtig gross sein (ich hab welche gesehen von einigen Metern Groesse), leider haben wir durch unser Hin und Her eher weniger von dieser Tradition mitbekommen.
Ich habe uebrigens jetzt meinen Flug nach Peru gebucht. Eigentlich hatte ich urspruenglich geplant den Weg von Guayaquil nach Arequipa im Bus zurueck zulegen, aber das waeren etwa 40 Stunden Fahrt und dann wohl doch etwas zu anstrengend.
Nun fliege ich am 20.01. von Guayaquil nach Lima und nehme von dort den Bus nach Arequipa, der dann auch noch 15 Stunden braucht.
Mir bleiben als noch zwei Wochen in Ecuador und wie immer verfliegt die Zeit...
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