Angekommen!
Joe, Johannes und ich fuhren am Freitag also nach Puno um dort vom Reiseveranstalter Munay Taquile empfangen zu werden. Die Reise fing noch gar nicht richtig an und schon war ich begeistert: Das Hotel für die erste Nacht war spitze, das Essen lecker und der Rest der Gruppe locker drauf.
Amanti
Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet ging es dann am Morgen in den Bus. Nach einigen Fotostopps und kleinen Vorträgen über Land und Leute der Region, hieß es dann Warten auf das Schiff, das uns dann zur Amantani-Insel auf dem Titikakasee bringen sollte.
Hier angekommen, fragte uns unser Guide, ob wir uns fit genug fühlen einen „kleinen Aufstieg“ zu einem höheren Punkt der Insel zu machen. Nun ja, da die restliche Gruppe aus Peruanern bestand, die an die Höhe wohl etwas besser gewöhnt waren, schleppte ich mich langsam hinterher. Von oben hatte man dann einen sehr schönen Blick auf den Rest der Insel und natürlich auf den beeindruckenden Titikakasee.
Beim Abstieg traf ich dann Maria, eine Inselbewohnerin, die gerade auf ihrem Feld arbeitete. Vielleicht komme ich zurück und werde bei ihr und ihren kleinen Familie ein paar Wochen wohnen um ein wenig das einfache Inselleben kennenzulernen. Noch weiß ich nicht wo es mich nach meinem Praktikum hinführt, aber hier habe ich auf jeden Fall schon einmal eine Option...
Kochen auf dem Feld
Nach dem Abstieg wurden wir dann mit dem wohlverdientem Mittagessen empfangen - gekocht auf dem Feld ohne Küche! Es wird eine Pyramide aus Erdbrocken gebaut in dessen Inneren sich ein Loch mit einem kleinen Feuer befindet. Sobald fast nur noch Glut zu sehen ist, wird diese mit den Kartoffeln im Boden vergraben. Nach 20 Minuten kann man sie wieder ausgraben und hat leckere gekochte Kartoffeln.
Für die frisch geangelte Forelle aus dem Titikakasee buddeln sie eine Kuhle in den Boden, zünden dort ein Feuer, bauen darüber eine Konstruktion aus Steinen und haben so eine Art Herd auf dem sie die Pfanne mit dem Fisch stellen. Beeindruckend einfach, aber super lecker!

Taquile- Wie man hier wohnt und feiert
Gestärkt ging es dann wieder aufs Boot und rüber auf die Insel Taquile. Hier wurden wir feierlich von den Vorständen der Insel begrüßt. Dazu muss man wissen, dass der Reiseveranstalter Munay Taquile ausschließlich aus Mitgliedern der Inselgemeinde besteht. Das heißt, die Bewohner profitieren direkt vom Tourismus, da ein Großteil der Einnahmen in die Community fließen.
Danach lernten wir dann unsere Gastfamilien von der Insel kennen, bei ihnen würden wir bis zum nächsten Tag unterkommen. Ich teilte mir mit Paola aus La Paz ein Zimmer im Hause von Rita, Gerhardo und seinen Eltern. Die Familie gehört sogar zu einen der wenigen, die Licht haben. Das Bad draußen, die Dusche funktioniert nicht, einen Wasserhahn gibt es nicht, Wassereimer statt Toilettenspühlung- einfach, aber ausreichend. Die Küche ein kleines Steinhaus, wenig Utensilien, kein Kühlschrank, alter Herd und geschmeckt hat es trotzdem.
Am selben Abend ging es dann noch auf eine traditionelle Feier auf der Insel- es wurde Pisco getrunken, Musik gespielt, Feuer gezündet, getanzt- und wir mitten im Geschehen. Damit wir nicht so auffielen, trugen wir die traditionelle Kleidung. Ich hatte 2 Röcke an, einen Gürtel fest um die Taille geschnürt, eine weiße Bluse an und ein schwarzes Tuch vehüllte meine Haare und mein Gesicht.

Die Hochzeit auf Taquile
Am nächsten Morgen gab es gleich zwei Anlässe zu feiern: Zum Einen hatte Joe Geburtstag und zum Anderen wurde Hochzeit auf der Insel gefeiert. Wir konnten bei den Vorbereitungen des Festes und bei der kirchlichen Trauung dabei sein. Auf Taquile ist eine Hochzeit die sehr strenge Zeremonie, die wirklich vollkommen anders als in Deutschland gefeiert wird, hier einige Beispiele: Das Brautpaar darf nicht lachen, nicht erzählen, muss lautlos auf den Boden starren, auch beim Gehen. Es darf nicht selber essen oder trinken sondern wird von den Eltern gefüttert. Nach der Zeremonie in der Kirche muss sich das Brautpaar mit nahen Verwandten vor das Haus setzen und auf Gschenke warten. Männer schenken dem Mann, Frauen der Frau. Geldgeschenke werden an der Kleidung des Ehepaars befestigt. Als Dankeschön bekommt der Schenker eine Kleinigkeit vom Brautpaar wie zum Beispiel Coca Blätter oder Bier. Am Morgen der Heirat werden mehrere Schafe getötet (dieses Mal waren es 37!!!), die dann später von der Hochzeitsgesellschaft verzehrt werden (Brautpaar isst nichts). Nun ja, bei den vielen strengen Regeln überlegt man es sich wohl zwei Mal, ob man Heiraten möchte. Einwohner der Taquile-Insel heiraten übrigens nur untereinander. Es darf sich nicht geschieden werden und nur verheiratete Männer können ein wichtiges Amt besetzen.

Die Uros
Nach dem Mittagessen verließen wir Taquile und machten uns auf den Weg zu den Uros. Sie leben auf mehreren kleinen Schilfinseln auf dem Titikakasee. Dabei gibt es die recht touristischen, wo täglich Schiffe anhalten und die Touris eine kleine Tour bekommen. Dann gibt es die Inseln, die weiter am Ufer liegen und zum Wohnen benutzt werden und nicht von Touristen angestuert werden. Und zum dritten gibt es die Uro Inseln, die vor allem von Kindern und älteren Uros bewohnt werden- hier genießt man das ruhige Leben weit weg vom Tourismus.
Wir wurden auf den touristischen Inseln von den Uros empfangen. Zunächst erklärte man uns wie sie die Inseln bauen. Sie nehmen das riesige Wurzelgewebe des Schilfs, rammen dort Holzstämme hinein und legen dann um jeden Holzstamm ein Seil. Durch eine gewisse Knotentechnik werden so die einzelnen Schilfgewebe zusammen gehalten. Danach wird alles mit Schilf bedeckt und schon ist die kleine Insel fertig. Sie bauen ebenfalls Häuser und Schiffe aus Schilf.
Schließlich ging es für uns nach einem sehr schönen Wochenende zurück nach Puno, wo wir noch am Abend in den Bus stiegen um wieder nach Arequipa zu fahren.







