Montag, 23. Mai 2011

Titikakasee

Ja!!! Wir fahren mit auf einem FAM Trip! Wofür FAM genau steht, wusste ich vorher eigentlich nicht, war mir in dem Moment aber auch egal. Was ich allerdings wusste: Es geht am Wochenende zum Tititkakasee und das für lau. Übrigens wie ich jetzt weiß: Der Begriff FAM Trip wird im Tourismus verwedet und leitet sich vom englischen „Familiarisation“, also Vertrautmachen, ab. Ein neuer Reiseveranstalter lädt zum Beispiel Reiseagenturen zu einer Reise ein und erhofft sich so später mit ihnen ins Geschäft zu kommen.

Angekommen!
Joe, Johannes und ich fuhren am Freitag also nach Puno um dort vom Reiseveranstalter Munay Taquile empfangen zu werden. Die Reise fing noch gar nicht richtig an und schon war ich begeistert: Das Hotel für die erste Nacht war spitze, das Essen lecker und der Rest der Gruppe locker drauf.

Amanti
Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet ging es dann am Morgen in den Bus. Nach einigen Fotostopps und kleinen Vorträgen über Land und Leute der Region, hieß es dann Warten auf das Schiff, das uns dann zur Amantani-Insel auf dem Titikakasee bringen sollte.
Hier angekommen, fragte uns unser Guide, ob wir uns fit genug fühlen einen „kleinen Aufstieg“ zu einem höheren Punkt der Insel zu machen. Nun ja, da die restliche Gruppe aus Peruanern bestand, die an die Höhe wohl etwas besser gewöhnt waren, schleppte ich mich langsam hinterher. Von oben hatte man dann einen sehr schönen Blick auf den Rest der Insel und natürlich auf den beeindruckenden Titikakasee.
Beim Abstieg traf ich dann Maria, eine Inselbewohnerin, die gerade auf ihrem Feld arbeitete. Vielleicht komme ich zurück und werde bei ihr und ihren kleinen Familie ein paar Wochen wohnen um ein wenig das einfache Inselleben kennenzulernen. Noch weiß ich nicht wo es mich nach meinem Praktikum hinführt, aber hier habe ich auf jeden Fall schon einmal eine Option...


Kochen auf dem Feld
Nach dem Abstieg wurden wir dann mit dem wohlverdientem Mittagessen empfangen - gekocht auf dem Feld ohne Küche! Es wird eine Pyramide aus Erdbrocken gebaut in dessen Inneren sich ein Loch mit einem kleinen Feuer befindet. Sobald fast nur noch Glut zu sehen ist, wird diese mit den Kartoffeln im Boden vergraben. Nach 20 Minuten kann man sie wieder ausgraben und hat leckere gekochte Kartoffeln.
Für die frisch geangelte Forelle aus dem Titikakasee buddeln sie eine Kuhle in den Boden, zünden dort ein Feuer, bauen darüber eine Konstruktion aus Steinen und haben so eine Art Herd auf dem sie die Pfanne mit dem Fisch stellen. Beeindruckend einfach, aber super lecker!




Taquile- Wie man hier wohnt und feiert
Gestärkt ging es dann wieder aufs Boot und rüber auf die Insel Taquile. Hier wurden wir feierlich von den Vorständen der Insel begrüßt. Dazu muss man wissen, dass der Reiseveranstalter Munay Taquile ausschließlich aus Mitgliedern der Inselgemeinde besteht. Das heißt, die Bewohner profitieren direkt vom Tourismus, da ein Großteil der Einnahmen in die Community fließen.
Danach lernten wir dann unsere Gastfamilien von der Insel kennen, bei ihnen würden wir bis zum nächsten Tag unterkommen. Ich teilte mir mit Paola aus La Paz ein Zimmer im Hause von Rita, Gerhardo und seinen Eltern. Die Familie gehört sogar zu einen der wenigen, die Licht haben. Das Bad draußen, die Dusche funktioniert nicht, einen Wasserhahn gibt es nicht, Wassereimer statt Toilettenspühlung- einfach, aber ausreichend. Die Küche ein kleines Steinhaus, wenig Utensilien, kein Kühlschrank, alter Herd und geschmeckt hat es trotzdem.

Am selben Abend ging es dann noch auf eine traditionelle Feier auf der Insel- es wurde Pisco getrunken, Musik gespielt, Feuer gezündet, getanzt- und wir mitten im Geschehen. Damit wir nicht so auffielen, trugen wir die traditionelle Kleidung. Ich hatte 2 Röcke an, einen Gürtel fest um die Taille geschnürt, eine weiße Bluse an und ein schwarzes Tuch vehüllte meine Haare und mein Gesicht.



Die Hochzeit auf Taquile
Am nächsten Morgen gab es gleich zwei Anlässe zu feiern: Zum Einen hatte Joe Geburtstag und zum Anderen wurde Hochzeit auf der Insel gefeiert. Wir konnten bei den Vorbereitungen des Festes und bei der kirchlichen Trauung dabei sein. Auf Taquile ist eine Hochzeit die sehr strenge Zeremonie, die wirklich vollkommen anders als in Deutschland gefeiert wird, hier einige Beispiele: Das Brautpaar darf nicht lachen, nicht erzählen, muss lautlos auf den Boden starren, auch beim Gehen. Es darf nicht selber essen oder trinken sondern wird von den Eltern gefüttert. Nach der Zeremonie in der Kirche muss sich das Brautpaar mit nahen Verwandten vor das Haus setzen und auf Gschenke warten. Männer schenken dem Mann, Frauen der Frau. Geldgeschenke werden an der Kleidung des Ehepaars befestigt. Als Dankeschön bekommt der Schenker eine Kleinigkeit vom Brautpaar wie zum Beispiel Coca Blätter oder Bier. Am Morgen der Heirat werden mehrere Schafe getötet (dieses Mal waren es 37!!!), die dann später von der Hochzeitsgesellschaft verzehrt werden (Brautpaar isst nichts). Nun ja, bei den vielen strengen Regeln überlegt man es sich wohl zwei Mal, ob man Heiraten möchte. Einwohner der Taquile-Insel heiraten übrigens nur untereinander. Es darf sich nicht geschieden werden und nur verheiratete Männer können ein wichtiges Amt besetzen.



Die Uros
Nach dem Mittagessen verließen wir Taquile und machten uns auf den Weg zu den Uros. Sie leben auf mehreren kleinen Schilfinseln auf dem Titikakasee. Dabei gibt es die recht touristischen, wo täglich Schiffe anhalten und die Touris eine kleine Tour bekommen. Dann gibt es die Inseln, die weiter am Ufer liegen und zum Wohnen benutzt werden und nicht von Touristen angestuert werden. Und zum dritten gibt es die Uro Inseln, die vor allem von Kindern und älteren Uros bewohnt werden- hier genießt man das ruhige Leben weit weg vom Tourismus.
Wir wurden auf den touristischen Inseln von den Uros empfangen. Zunächst erklärte man uns wie sie die Inseln bauen. Sie nehmen das riesige Wurzelgewebe des Schilfs, rammen dort Holzstämme hinein und legen dann um jeden Holzstamm ein Seil. Durch eine gewisse Knotentechnik werden so die einzelnen Schilfgewebe zusammen gehalten. Danach wird alles mit Schilf bedeckt und schon ist die kleine Insel fertig. Sie bauen ebenfalls Häuser und Schiffe aus Schilf.

Schließlich ging es für uns nach einem sehr schönen Wochenende zurück nach Puno, wo wir noch am Abend in den Bus stiegen um wieder nach Arequipa zu fahren.

Ich komm wieder!

Ja, bald habt ihr mich wieder! ;) Es ist nun ganz offiziell. Ich habe meinen Flug nach Deutschland gebucht und ich bin früher im deutschen Land als erst gedacht. Da die Flugpreise doch recht teuer sind, habe ich nun noch einen etwas billigeren gefunden. Deswegen geht es am 8. Juli um 3 Uhr nachts aus Lima nach Panama. Nach ein paar Stunden Aufenthalt fliege ich dann mit technischen Zwischenstopp nach Frankfurt. Am 9. Juli geht es dann am Morgen von Frankfurt nach Hamburg, wo ich wohl gegen 8 Uhr ankommen werde. Es können also Pläne für Deutschland gemacht werden :) Ich freu mich!

Donnerstag, 12. Mai 2011

Stock und Hut steht ihr gut

Für eine Woche tauschten wir unseren Schreibtisch gegen den Tresen. Joe, Johannes und ich machten uns auf nach Cabanaconde im Colca Tal um im Hostel und Restaurant der Familie zu arbeiten, der auch der Reiseveranstalter Sudamericatour gehört.

Während Johannes ein benachbartes Hostel führte, kümmerten Joe und ich uns um ein Restaurant und Hostel. Ein peruanischer Koch und ein Angestellter standen uns zur Seite, aber die Verantwortung lag bei uns.
Wir kümmerten uns um die Finanzen, den Einkauf, die Werbung und das irgendwie alles läuft. Auf jeden Fall war es eine neue Erfahrung und Chef spielen hat auch mal Spaß gemacht.
Hier einige Eindrücke:


Nach einigen Tage kamen die Besitzer zurück und für uns wurde es Zeit zu gehen - oder viel mehr zu Wandern, denn der Colca Canyon, die zweit tiefste Schlucht der Welt, bietet dafür perfekte Bedingungen. Joe und ich begaben uns auf ein Drei-Tage-Trek.

Da sich wie immer alles sehr spontan ergab, wussten wir erst am Nachmittag, dass wir frei hatten und unseren Trek beginnen konnten. Da uns nur noch wenige Stunden bis zur Dunkelheit blieben, liefen wir nicht wie die meisten Touristen von Cabanaconde nach San Juan und dann zur Oase sondern machten die Tour anders herum.



Von Cabanaconde (3.287 m) ging es hinein in die 3.200 Meter Schlucht, damit ist sie fast doppelt so tief wie der bekannte Grand Canyon in den USA. 
Der Abstieg dauerte etwa drei Stunden, andere Menschen schaffen es auch in zwei Stunden, aber ich komme eben von der Küste und bin an die Berge eher weniger gewöhnt. Nach einigen längeren Fotostopps beeilten wir uns auf dem letzten Stück und trafen exakt mit der Dunkelheit in der Oase (2.160 m) ein. Nach dem Abendessen mit den anderen Touristen, die wir in der Oase trafen, fielen wir ins Bett, schließlich brauchten wir Kraft für den nächsten Tag.

Hier ein paar Bilder von unserem Abstieg und der Oase. Sonnenhut, Sonnenbrille und Sonnencreme durften wegen der starken Sonne auf keinen Fall fehlen auch wenn Joe meinte, ich sehe aus wie ein Maulwurf...





Nach einem erfrischenden Bad im Pool der Oase brachen wir auf in Richtung des Dorfes Malata (2.450 m). Vor allem die ersten Meter machten mir zu schaffen, in diesen Höhen bleibt einem schnell die Luft weg und trotz Wanderstock mussten wir die eine oder andere Pause machen.
Leider zog schlechtes Wetter auf und statt in Malata oder Cosñirhua  einen Stopp zu machen, wanderten wir weiter um vor dem Regen in San Jua de Chuccho anzukommen. Wir gingen durch märchenwaldähnliche Landschaften und kamen nach einer fünf stündigen Wanderung in einem kleinen Hostel in San Jua de Chuccho an. Für den nächsten Tag stnd uns der härteste Aufstieg des Treks bevor, doch schon am Abend spührte ich den Muskelkater deutlich. Da uns bereits mehrere peruanische Guides vorher gesagt hatten, dass der Weg von San Jua de Chuccho rauf nach Cabanaconde hart sei, war mir klar, dass ich ihn als unerfahrene Trekkerin niemals schaffen würde. Ich gab mich geschlagen und wir entschieden uns den Aufstieg am nächsten Tag auf einem „Mula“ (Kreuzung aus Esel und Pferd) zu machen.



Am dritten und letzten Tag unserer Wanderung ging es schon um fünf Uhr morgens für uns los, da mit der Hitze des Tages der Aufstieg nicht möglich wäre. Nach einer 45 Minütigen Wanderung setzten wir uns auf unsere Mulas und konnten so den eigentlich anstrengenden Aufstieg geniessen. Nun ja, was heisst geniessen. Auf so einem Mula wackelt es ordentlich und, wenn es neben einem hunderte von Meter heruntergeht, ist man an einigen Stellen vielleicht nicht ganz so entspannt. Ich muss aber sagen, diese Mulas haben Power und sind geschickt und so legte ich mein Vertrauen ganz in ihre Hufen.



Nach nur drei Stunden verließen wir die Schlucht und wurden mit einem wunderschönem Rundumblick über die Berge begrüßt. Ab hier ging es für uns wieder zu Fuß weiter und nach einem kleinen Schläfchen machten wir uns auf den kurzen Restweg bishin zu unserem Startpunkt- Cabanaconde.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Kulturelle Unterschiede

Auch wenn die Uni weit weg ist, so lässt sie mich doch nicht ganz in Ruhe. Während meines Studiensemesters und Auslandspraktikums muss ich kulturelle Unterschiede festhalten, die mir in Costa Rica und Peru gegenüber Deutschland aufgefallen sind. Die bisherigen Ergebnisse dieser Arbeit findet ihr nun rechts unter der Seite "Kulturelle Unterschiede".

Donnerstag, 5. Mai 2011

Holz statt Eier suchen


Es stand Ostern vor der Tür und wir nutzten die freien Tage um eine kleine Motorradtour zu machen. Mit unserem sympathischen Guide Eddy ging es rauf auf die Piste und über Stock und Stein. Durch seine langjährige Erfahrung fuhren wir Wege von denen wir nie gewusst hätten, dass sie überhaupt existieren. Schöne Landschaften umgaben uns und das Gefühl der absoluten Freiheit begleitete uns mit jedem Kilometer.

Am Abend suchten wir Feuerholz und entdeckten die verschiedenen Sternenbilder bvor wir in unsere Zelte krochen, hier mitten in der Natur.
Am nächsten Morgen grasten die Schafe neben uns und wir suchten unser Frühstück im nahegelegenen Waldstück- Trauben frisch gepflückt und deshalb lecker wie nie!

PS Für das Album wie immer einfach auf das Foto oben klicken

Perus Küste


Man kann nichts verkaufen, wenn man sein Produkt nicht genau kennt. Das dachte sich auch der Chef (Hugo) des Reiseveranstalters bei dem ich gerade mein Praktikum mache und so begleitete ich ihn einige Tage mit zwei österreichischen Touris. Eigentlich sollte ich die Rolle des Guides übernehmen, aber irgendwie wurde doch alles viel entspannter als gedacht.

Von Arequipa ging es mit meinem Chef auf ins siebzehn Stunden entfernte Lima, in die Hauptstadt Perus um am nächsten Morgen die beiden Österreicher am Flughafen zu empfangen. Keine Zeit zum Entspannen, keine Zeit um sich an die andere Zeitzone zu gewöhnen - Pauschaltouristen haben einen vollen Reiseplan.

Nach einer Stadttour durch Lima, die verschiedene Museumsbesuche beinhaltete, ging es weiter nach Pisco, also in die gleichnamige Stadt des bekannten alkoholischen Getränks. Man kann nicht in Pisco sein ohne diese leckere Flüssigkeit probiert zu haben. So ließen wir also den ersten Tag ausklingen.

Am nächsten Tag ging es dann auf die Islas Ballestas. Na ja, was heißt auf..eher an die Islas, denn man darf sie nicht betreten, nur umschiffen. Der Anblick dieses Naturreservates war atemberaubend und kann leider nicht auf den Fotos wiedergegeben werden. Solch eine Menge an Vögeln habe ich wohl noch nie gesehen. Die Sonne schien auf uns herab und ließ das Meer im schönsten Blau glitzern, die Seelöwen und Pinguine waren gerade auf Frühstücksfang. Einmalige Stimmung!

Nach diesem Erlebnis ging es weiter zu einem Weingut, na ja eigentlich einem Piscogut. Hier wurde uns erklärt wie aus den Trauben das in dieser Region so beliebte Getränk gemacht wird. Ohne anschließende Verkostung kann so eine Tour nicht enden „ Arriba, abajo, al centro, al dentro!“

Mit dem Bauch voller Pisco ging es auf eine Buggytour. Gut, dass ich vorher nicht wusste, was mich da wirklich erwartet. Man sitzt in einem Auto,das auf die wichtigsten Teile reduziert scheint und düst durch die Dünen der Wüste. Ich empfehle es übrigens niemandem nach einer Piscoverkostung diese Tour zu machen...
In der Wüste angekommen, schwangen sich dann alle aufs Brett um das „Sandboarding“ auszuprobieren. Rückentechnisch wohl eher ein Risiko, hielt ich mich lieber zurück und poste nur fürs Foto mal auf dem Brett ;)

Nach einige Museumsbesuchen mehr, einem leckeren Mittag an einem einsamen Strand und einer längeren Autofahrt, kamen wir in Nazca an. Hier befinden sich die bekannten Nazcalinien, geometrische, riesige Linien im Sand, die von oben betrachtet Figuren ergeben. Täglich starten kleine Flieger um die Touristen in die Höhen zu bringen aus der sie fleißig Fotos von den Figuren schießen können- all das zu einem Touri-Portemonnaie angepassten Preis, also absolut nicht in meinem Budget. So blieb ich auf der Erde während die beiden Österreicher durch die Luft schwirrten.

Am nächsten Tag ging es dann schon nach „Hause“, nach Arequipa und somit endete für mich die kleine Tour während die beiden Touristen noch einige Tage Peru vor sich hatten.