Kulturelle Unterschiede

Costa Rica

Kleidung
Ziemlich überraschend finde ich es, dass die Frauen hier fast alle lange Hosen bzw. lange Röcke tragen, also ihre Knie bedecken obenrum allerdings halb nackt rumlaufen. Ich passe mich jetzt also erst einmal an und trage lange Hosen. Vielleicht kleiden sich die Frauen hier aus religiösen Gründen so oder einfach, weil ihnen  kalt ist? Schließlich ist hier ja gerade "Winter",  auch wenn das bedeutet, dass hier Temperaturen um die 25 Grad herrschen.

Straßennamen
Das costaricanische Straßennetz ist in "calle" und "avenida" unterteilt. Also eigentlich ist es ein recht übersichtliches System, schade nur, dass die Straßennamen hier sehr sehr selten ausgeschildert sind. Die Ticos (Einheimische Costa Ricas) benutzen statt Straßennamen eher Beschreibungen wie zum Beispiel einhundert Meter rechts neben der Post, dabei muss man auch wissen, dass mit einhundert Metern nicht wirklich einhundert Meter gemeint sind sondern meist ein Wohnblock . Als Tourist ist es natürlich schwer sich zu orietieren, wenn man die Umgebung nicht kennt und somit auch keine Ahnung hat, wo die besagte Post ist..
Ein seltenes Bild: Straßenbeschilderung in Costa Risa

Essen
Dass das Essen hier anders ist als in Deutschland ist natürlich weniger überraschend. Der größte Unterschied besteht aber wohl im Frühstück. In Costa Rica beginnt man den Tag mit einer Mahlzeit Reis mit Bohnen, gerne dazu dann noch Fleisch, Wurst oder Joghurt. Das Nationalgericht ist das sogenannte "Gallo pinto" (Reis, Bohnen, Huhn).
Außerdem ist hier in Costa Rica einfach so ziemlich alles süßer als in Deutschland. Die Schokolade ist so süß, dass sie uns kaum noch schmeckt, die Säfte trinken wir nur verdünnt mit Wasser und selbst die Fast Food Ketten haben sich an den Geschmack angepasst: Das Mc Donalds Eis ist einfach nicht das, was wir aus Deutschland kennen.
Die Esskultur der Costa Ricaner steht übrigens unter großem amerikanischen Einfluss. An jeder Ecke gibt es Fast Food Läden, die Vielfalt ist dabei wohl größer als in Deutschland. Trotzdem ist es schwer in dem 2 Etagen Foodcourt in der Mall in San Pedro (San José) einen Tisch zu bekommen. Hier gibt es alles, was das Fast Food Herz begehrt: Mc Donalds, Burger King, Subway, Taco Bell, Wendys, Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken etc.
Bei dem ganzen Fast Food bleibt nur ein weher Gedanke an das Vollkornbrot aus Deutschland. Vollkornprodukte sind hier wirklich rar und nicht mit den deutschen vergleichbar.


Busfahren
Das Busfahren in Costa Rica ist deutlich billiger als in Deutschland. Die Preise sind zwar abhängig von der Strecke, oftmals bezahlt man für Fahrten innerhalb der Stadt selten mehr als 40 Cent. In der Stadt gibt es Bushaltestellen, dessen System allerdings manchmal etwas undurchsichtig scheint. Soweit wir wissen, gibt es nur Busfahrpläne, die direkt an den Bussen angebracht sind, was es manchmal etwas komplizierter macht. Fährt man mit dem Bus in eine andere Stadt so ist es möglich dem Busfahrer Bescheid zu geben, dass er einen auf irgendwo auf seiner Strecke rauslässt. Es gibt Busse, die recht gut erhalten sind, aber auch etwas ältere. Manchmal sind man ausgemusterte gelbe Schulbusse aus den USA. Auf bestimmten Strecken findet man in den Bussen sogar Flachbildschirme auf denen kurze Filmchen und Werbungen laufen, allerdings sind das dann eher die Fahrten in die besseren Viertel der Hauptstadt.
Als Kasse dienen große Schaumstoffkissen in denen Kerben für das Kleingeld geschnitten wurden (schwer vorstellbar, vielleicht schaffe ich es einmal unauffällig ein Foto zu machen).
Aber egal mit welchem Bus man wo hin fährt, das Kreuz oder ein Abbild Jesus' fahren immer mit.


Toiletten
In Costa Rica gibt es deutlich weniger öffentliche Toiletten als in Deutschland. Außerdem gibt es nicht immer Toilettenpapier. Neben der Toilette steht immer ein großer Eimer für das benutze Papier, da das Abflusssystem in Costa Rica nicht dafür geschaffen ist, Toilettenpapier herunterzuspühlen.

Peru

Taxifahren
In Peru fahre ich ziemlich oft Taxi, viel häufiger als in Deutschland, weil es einfach auch viel billiger ist. Doch während ich mir in Deutschland nie Gedanken machen muss über die Sicherheit eines öffentlichen Taxi, muss man in Peru vorsichtig sein. 
Hier in Arequipa gibt es geschätzt hundert verschiedene Taxiunternehmen, zu unterscheiden an ihren Schildern auf den Autodächern. Nachdem ich schon gewisse Geschichten gehört und auch in meinem Reiseführer gelesen habe, wähle ich mein Taxi jedes Mal mit besonderer Sorgfalt aus, denn es passiert nicht selten, dass Menschen in Taxen verschleppt und ausgeraubt werden. Gerade in Arequipa wird davor gewarnt einfach in ein Taxi einzusteigen. Es wird empfohlen in Hotels oder Restaurants nachzufragen, ob sie telefonisch ein Taxi bestellen können, da dies die sicherste Variante ist. Vor allem Touristen werden ausgeraubt, da sie meist irgendwelche Wertgegenstände mit sich herumtragen.
Ich habe leider nicht immer die Geduld mir ein Taxi zu rufen oder rufen zu lassen, vor allem wenn die Straßen voll sind mit Taxen. Es gibt  keine offiziellen Taxen, d.h. man sollte sein Taxi mit Sorgfalt auswählen.
 Ich fahre zum Beispiel vorzugsweise mit den Unternehmen „45”, „Turismo Arequipa” und „Imperial”, weil mir gesagt wurde, dass diese zu den sichersten  gehören. Erscheint mir der Taxifahrer auf den ersten Blick unsympathisch, steige ich erst gar nicht ein. So habe ich meine Regeln um ein Taxi auszuwählen, trotzdem kann natürlich immer etwas passieren. Es gehört wohl auch ein wenig Glück zum Taxifahren in Arequipa dazu.

Warten auf Grün
Wenn man in Peru an einer roten Ampel steht, wird einem beim Warten nicht langweilig - dafür sorgen die Straßenkünstler. Sie jonglieren, tanzen, fahren Einrad und und und. Ihrer Kreativität scheint keine Grenze gesetzt. Abends wenn es dunkle ist, jonglieren einige sogar mit Feuerfackeln auf den Kreuzungen.
Kurz bevor die Ampel dann wieder auf Grün umschaltet, gehen sie von Auto zu Auto mit der Hoffnung ein wenig Geld von den Insassen zu bekommen. Zu meiner Überraschung geben ihnen recht viele Leute Geld, meist nur ein oder zwei Sol, also ein paar Cents, aber so verdienen sie sich etwas dazu, denn nicht selten sind diese Straßenkünstler Studenten, die das Geld benutzen um sich das Studium zu finanzieren.
Neben den Straßenkünstler wird man an einer roten Ampel aber auch mit allen anderen Dingen versorgt, die man braucht oder eben auch nicht braucht. Sie verkaufen Blumen, Toilettenpapier, Spielzeug, Süssigkeiten oder wollen deine Scheiben sauber machen. Einmal habe ich sogar jemanden gesehen, der schwarze Plastiktüten verkauft hat, damit man sich diese in die Scheibe klemmen kann als Sonnenschutz- und die Autofahrer haben sie gekauft!


Rundum-Service am Strand
Am Wochenende fahre ich öfter mit Freunden oder der Familie, bei der ich wohne, zum Strand. Wir sind eigentlich immer mit einer ganzen Ausrüstung unterwegs: Sonnenstühle, Sonnenschirme, Kühltruhe. Als ich das erste Mal in Peru zum Strand gefahren bin, habe ich mich gewundert weshalb sie eine leere Kühltruhe mitnehmen - wo sind die Getränke? Als wir dann am öffentlichen Strand ankamen, fand ich schnell die Antwort: Hier wird einfach alles verkauft! D.h. man liegt gemütlich unter seinem Sonnenschirm und die Leute kommen und verkaufen kühle Getränke, Eis, Empanadas, Süssigkeiten, Wasserspielzeug für die Kinder und die Preise sind nicht anders als in den Geschäften. Man muss sich also vorher eigentlich nie Gedanken machen, ob man vielleicht etwas zu Hause vergessen hat, denn am Strand gibt es mit Sicherheit jemanden, der genau das verkauft.

Ohne Sonne - keine warme Dusche
Die ersten Tage in Arequipa waren hart für mich. Ich kam im Februar, also genau in der Regenzeit, an. Eigentlich macht mir viel Regen nichts aus schliesslich ist es nur ein Monat in dem es kräftig regnet. Die Zeit danach scheint die Sonne dann fast jeden Tag. Doch ich wusste vorher nicht wie abhängig man hier doch von der Sonne ist, denn die meisten Familien haben sogenannte Solarduschen. Eigentlich ein sehr gutes energiesparendes Konzept, die Sonne heizt den schwarzen Tank, in dem das Wasser ist, auf und so kann man dann heiß duschen. Leider funktioniert dieses System eben nur mit Sonne - die im Februar leider etwas fehlt und dieses Jahr war der Monat besonders hart. Normalerweise scheint nämlich wenigstens morgens die Sonne, während es am Nachmittag regnet. Dieses Jahr war so ziemlich jeder Tag im Februar kalt, grau und die Sonne ließ sich nie blicken. Somit begann ich jeden Februartag mit einer eiskalten Dusche. Das härtet den Körper auf jeden Fall ab, aber das eigentlich immer jemand in der Familie krank war, muss ich wohl nicht erwähnen. Außerdem hat die Waschmaschine ohne Sonne kein warmes Wasser und ohne Sonne trocknet die Wäsche nicht, denn so etwas wie einen Trockner hat eine peruanische Durchschnittsfamilie nicht. Zum Glück gab es diese Probleme wirklich nur im Februar, die folgenden Monate schien dann glücklicherweise häufig die Sonne.


Wer bremst, verliert
… das war so ziemlich die erste Straßenverkehrsregel, die mir mein Chef in Peru beibrachte und wie sich schnell herausstellte, hatte er recht. Für mich ist es immer noch ein Wunder wie der Verkehr in Peru funktioniert. In Arequipa sind eigentlich immer viele Autos auf den Straßen aber meistens fließt der Verkehr trotzdem, denn es wird einfach selten gebremst. Autofahren hat in Peru etwas mit Millimeterarbeit zu tun, man schlängelt sich einfach an den anderen vorbei, hupt ab und zu und es wird schon irgendwie Platz gemacht. Eine Straße mit ursprünglich zwei Spuren wird in Peru allgemein so befahren als würde es mindestens drei Spuren geben. Das wirklich wichtigste Instrument um sich seinen Weg zu bahnen ist die Hupe, viele Taxen haben eine Langzeithupe ähnlich wie der Alarm eines Krankenwagens. Taxifahrer legen einen Schalter um und das Hupen findet gar kein Ende mehr. Natürlich habe ich einige schwere Autounfälle während meines Aufenthaltes in Peru gesehen, doch es wundert mich, dass es nicht noch mehr waren. Aber irgendwie scheint das System für die Peruaner zu funktionieren. 

Der Kunde ist kein König
Während ich aus Deutschland eigentlich einen gewissen Standard an Service gewohnt bin, wurde mir klar, dass ich in Peru von gewissen Erwartungen abrücken sollte. Hier scheint man den Kunden nicht als König zu sehen, oftmals waren die Verkäufer mürrisch und schienen gelangweilt. Selbst wenn ich mit einem Lächeln etwas nachfragte, schienen sie eher genervt. Auf den öffentlichen Märkten, auf denen für gewöhnlich ein reges Treiben herrschte, war es nicht anders. Während ich aus Deutschland die Marktschreier kannte, die unbedingt ihre Ware loswerden wollten, muss man in Peru die Verkäufer direkt ansprechen, dass man auch bedient wird. Einmal stand ich an einem Obststand und wartete drauf, dass mich die Verkäuferin fragen würde was ich denn möchte, doch es passierte nichts. Man muss selbst aktiv werden um auch wirklich das zu bekommen was man wollte. 

Wie viele Menschen passen in ein Taxi?
Meine Antwort darauf ist neun, aber es gibt bestimmt Peruaner, die mich übertreffen. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, nehmen wir uns ein Taxi unabhängig davon wie viele Personen wir sind. Schließlich passen sechs Personen auf die Rückbank, auf dem Beifahrersitz haben zwei Platz und dann noch der Fahrer. Natürlich ist es eng, aber irgendwie klappt es immer und die meisten Taxifahrer lassen sich darauf ein. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es verboten ist, was wir da machen, aber wir sind so auch schon an Polizisten vorbeigefahren und gemacht haben sie nichts.Anschnallen fällt bei so vielen Personen natürlich auch weg, aber meistens haben die Taxen nicht einmal Gurte. Es ist nicht üblich sich auf der Rückbank anzuschnallen während die Beifahrer- und Fahrersitze meistens Gurte haben und es wohl tatsächlich ab und zu Polizeikontrollen geben soll. Autofahrer sind meistens angeschnallt, bei dem peruanischen Fahrstil ist das wohl auch besser.


Hygienestandards
Geht man in Peru über die großen Märkte, so findet man dort wohl alles. Gewürze, Gemüse, Obst, Kosmetikartikel, Stände die Säfte verkaufen, aber eben auch eine Vielzahl an verschiedenen Fisch- und Fleischsorte. Die Fische liegen auf den Tischen mit ein wenig Eis bedeckt, während etwa die Hähne an den Haken hängen und nicht gekühlt werden. Die Fliegen schwirren um das Fleisch herum und auch wenn die Verkäufer versuchen sie zu vertreiben, bleibt ihr Bemühen ohne Erfolg. Auf den Marktböden sieht man oft noch das Blut, denn das Fleisch ist ganz frisch, oftmals noch blutig. Auch wenn ich glaube, dass das Fleisch, was auf den Märkten verkauft wird von guter Qualität ist und relativ frisch, habe ich mich nie getraut dort Fleisch zu kaufen, da mich die hygienischen Umstände doch immer etwas erschrocken haben. Auch, dass das Fleisch in der Hitze hängt ohne jegliche Kühlung ist für einen europäischen Magen wohl eher bedenklich. Selbst in einigen Supermärkten habe ich diese Zustände vorgefunden, aber es gibt auch viele Geschäfte in denen das Fleisch gekühlt gelagert wird. Allerdings wird das Fleisch oftmals nicht verpackt verkauft, d.h. es liegen etwa mehrere Hähnchen unverpackt in einer Gefriertruhe und jeder kann das Fleisch anfassen.
Als ich meine Bedenken einmal geäußert habe, dass die Lagerung des Fleisches mir nicht als besonders hygienisch erscheint, konnten das die Peruaner nicht nachvollziehen. Es hängt wohl einfach davon ab welchen Grad an Hygiene man gewohnt ist und vielleicht wird in Deutschland ja auch übertrieben.

Fußball
Ähnlich wie in Deutschland gilt auch in Peru Fußball als Nationalsport. Meistens gebe ich es nicht zu, dass ich eigentlich nichts von Fußball verstehe, weil ein gewisses Interesse an Fußball hier fast erwartet wird.
So kam es, dass ich eines Tages mit ein paar Freunden in das Stadion in Arequipa eingeladen wurde, um das Spiel Argentinien gegen Ecuador mitzuerleben. Vorher war ich zwar noch nicht so oft in einem Stadion gewesen, aber eine Grundidee von der Stimmung dort hatte ich.
Als wir dann in Peru im Stadion ankamen, hatten meine internationalen Freunde und ich den Eindruck als hätte das Spiel noch gar nicht begonnen - es gab keinen Stadionsprecher, es lief keine Uhr, nicht viele Menschen waren im Stadion...
Tatsächlich aber war das Spiel schon voll im Gange. Es gab ganz einfach keine Uhr. Als ich jemanden fragte wie lange denn noch zu spielen sei, sagte er mir, er wisse es nicht, aber man wird ja zur Halbzeit dann abpfeifen. So kam es dann auch. In der Halbzeit gab es dann auf dem Spielfeld Animation für die wenigen Zuschauer, eine Art Salsa-Tanz der Polizei. Man kann sagen, wir wurden auf jeden Fall unterhalten.Außerdem fiel mir auf, dass es kein Bier zu kaufen gab, nur Kaffee und Cola. Statt großer Leinwände, gab es nur einen Bildschirm, der den Spielstand anzeigte und statt eines Stadionsprechers,der einen durch das Spiel führt, gab es nur Radiosprecher, die das Spiel durch ihr Mikrofon dokumentierten. Vor allem aber haben mir die Fangesänge und die gute Stimmung gefehlt. Alles lief sehr ruhig ab, es gab kaum Anfeuerungsrufe oder Fan-Trikots. Allerdings erzählte mir ein Peruaner, dass es nach den Spielen alles andere als ruhig ist, oft kommt es zu Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen den Fans.

Der musikalische Müllwagen
Zwei Mal in der Woche werde ich mit Musik geweckt, aber leider unfreiwillig, denn dann klingen die schrillen Töne durch die Straßen- das ist das Zeichen dafür, dass sich der Müllwagen nährt. Ja richtig, der Müllwagen spielt Musik ab! So werden die Leute daran erinnert, dass heute wieder der Tag ist um ihren Müll auf die Straßen zu stellen. Wenn sie vorher nicht daran gedacht haben, so  werden sie durch die verschiedenen Melodien daran erinnert. Jede Stadt hat andere Müllwagenlieder, mir wurde gesagt, dass sie in den ländlichen Gegenden wohl seichter seien als hier. Das kann ich mir gut vorstellen, denn hier durchdringt die schrille Musik deinen Körper und im etwa zehn Sekunden Takt ändert sich die Melodie. Ich glaube, es gibt etwa fünf Lieder, die nacheinander immer wieder angespielt werden und sie müssen die Geräusche des alltäglichen Grossstadtlebens Arequipas übertönen.
Schade finde ich, dass der Müllwagen in unserer Straße immer schon um halb acht kommt, wenn ich eigentlich noch schlafen könnte,,aber ich hätte ja vergessen können, den Müll auf die Straße zu stellen...


Musikalische Vielfalt
… die scheint es hier nicht grossartig zu geben, aber kaum ein Perunär stört sich daran. Schätzungsweise gibt es vierzig Lieder, die hier gespielt werden, immer und immer wieder. Vierzig Lieder mag sich erst einmal gar nicht so wenig anhören, stellt man sich aber vor die gleichen vierzig Lieder Monate lang immer und immer wieder zu hören, dann wird einem klar, dass hier eindeutig die musikalische Vielfalt fehlt. Egal ob zu Hause, im Taxi, im Einkaufszentrum oder im Fitnessstudio- immer die gleichen spanischen Lieder. Schon nach einigen Wochen konnte ich so ziemlich alle mitsingen, was eben auch nicht sonderlich schwer ist, wenn man immer nur diese Musik hört. Natürlich spielen sie sie auch in den Diskotheken, nur im Zentrum, wo es doch recht viele Touristen gibt, werden zwischendurch auch internationale Lieder gespielt. Mir ist es eigentlich unerklärlich dass diese Eintönigkeit niemanden stört, aber jeder scheint diese Lieder zu lieben und eben jeder kennt die Texte und kann kräftig mitsingen. Auch die Melodien ähneln sich sehr und somit die dazugehörigen Tänze. Salsa und Reggaeton sind wohl die beliebtesten Musikrichtungen in Peru. Während Salsa in Deutschland auch recht bekannt ist, so ist Reggaeton in Südamerika weit mehr verbreitet als in Europa. Hierbei handelt es sich um eine Musikrichtung, die sich aufbauend auf Reggae, Dancehall, Hip-Hop, Merengue Hip Hop, lateinamerikanischen Musikrichtungen und Elektronischer Tanz-Musik entwickelt hat.
Natürlich ist mir klar, dass auch in Deutschland bestimmte Lieder zeitweise vermehrt gespielt werden, weil sie in den Charts sind, in Peru war es allerdings so, dass über Monate hinweg immer die selbe Musik gespielt wurde.

Wahlen
Diesen Sonntag  fand die Wahl zum neuen Staatsoberhaupt Perus statt. In Peru gibt es die Wahlpflicht, das bedeutet, dass jeder Wahlberechtigte auch zur Wahl gehen muss. Tut er das nicht, so muss er etwa 30 Euro Strafe bezahlen, was für hiesigen Verhältnisse recht viel Geld ist.
Außerdem wurde schon am Freitag offiziell kein Alkohol mehr ausgeschenkt. Die Restaurants und Bars  blieben ungewöhnlich leer, schuld daran war das sogenannte  „ley seca“. Ein Gesetz, das besagt, dass zwei Tage vor und am Wahltag kein Alkohol konsumiert werden darf. Wahrscheinlich haben sie Angst, dass die Menschen sonst betrunken ihr Kreuz machen und damit unzurechnungsfähig sind.
Trotz dieses Alkoholverbotes und strengeren Polizeikontrollen im Stadtzentrum gibt es natürlich kleinere Geschäfte, die trotzdem Alkohol verkaufen und darauf hoffen, nicht erwischt zu werden, denn sonst droht ihnen eine hohe Geldstrafe.
Nach der Wahl sieht man dann kleine Grüppchen von Menschen auf den Straßen stehen wie sie ihr Bier wieder genießen und nach insgesamt drei Tagen Alkoholverbot übertreibt es der ein oder andere dann auch gleich wieder.


Freizügigkeit
Dass eine Umkleidekabine zum Umziehen da ist, war für mich einfach so klar, dass ich nicht einmal darüber nachdachte, dass es in Peru anders sein könnte. Das erste Mal als ich im Fitnessstudio in der Umkleidekabine meine Kleidung wechselte,fühle ich mich schon etwas von den anderen Frauen beobachtet, begründete es aber eher damit, dass ich die einzige Ausländerin in dem Raum war. Die Umkleidekabine ist ein etwas größerer Raum mit Schließfächern, Toiletten- und Duschkabinen, vergleichbar mit denen, die man in Deutschland aus den Schwimmbädern oder Sportparks kennt. Bei meinem zweiten Fitnessstudiobesuch fühlte ich mich dann wieder unangenehm beobachtet und erst jetzt fiel mir auf, dass sich niemand in der Umkleidekabine umzog. Die Frauen weichen dafür auf die abschließbaren Dusch- und Toilettenkabinen aus. Das wirkte auf mich ein wenig absurd, schließlich gab es nur wenige Kabinen und doch so viel Platz in der Umkleidekabine. Außerdem handelte es sich doch um eine reine Frauenumkleidekabine. Musste ich dann wirklich einmal die Toilette benutzen, war eigentlich klar, dass sie gerade einmal wieder besetzt war von einer Frau, die sich hier umzog. Ich konnte mich an diesen Stil des Umkleidens nicht gewöhnen - so lange warten um sich dann in einer kleinen Toiletten- oder einer nassen Duschkabine umzuziehen. In Peru verhalten sich die Frauen eben nicht so freizügig wie in Deutschland, das bemerkt man zum Beispiel auch in den Schwimmbädern. Die Frauen gehen dort nie im Bikini schwimmen sondern im Badeanzug oder manchmal vollkommen bekleidet. Auf der anderen Seite ist es nicht ungewöhnlich, dass Frauen Miniröcke und Oberteile mit einem tiefen Ausschnitt tragen.

Krankheiten
In Peru spricht man offener über Krankheiten als in Deutschland Man redet beispielsweise darüber wer welche Krankheit hat oder welche Tabletten und Medikamente eingenommen werden obwohl man den gegenüber vielleicht kaum kennt. Auch schwerwiegende Krankheiten gelten nicht als Tabuthema. Durch Gespräche mit anderen erhofft man sich wertvolle Tipps und Ratschläge. Ein weiterer Unterschied ist, dass es in Peru für jede Krankheit eine Injektion zu geben scheint. Als ich beispielsweise einmal eine gewöhnliche Erkältung hatte, bestand man darauf mich zum Apotheker zu bringen damit ich eine Injektion bekomme. Ich fragte die Apothekerin, was sie mir spritzen würde, weil ich dachte, dass es sich vielleicht um ein Antibiotikum handele, was ich auf keinen Fall wollte. Ich bekam nur die kurze Auskunft, dass es sich hierbei nicht um eine Behandlung mit einem Antibiotikum handelt. Auch aus der Familie, bei der ich wohnte und die mich begleitete, wusste niemand so recht was nun in der Spritze war, aber darüber machte sich auch niemand Sorgen: „Diese Spritze bekommt man immer bei Erkältungen und sie wird auch dir helfen.“ Am nächsten Tag ging es mir eher noch schlechter und bei folgenden Krankheiten lies ich mir, entgegen der Ratschläge der Peruaner, nichts mehr spritzen sondern setzte auf die guten alten Hausmittel. Dadurch lernte ich auch ein interessanter Hausrezept Perus kennen, was eingesetzt wird, wenn man sich den Magen verdorben hat: Man röstet ungekochte Reiskörner ohne Öl in der Pfanne bis  sie angebrannt riechen und eine bräunliche Farbe bekommen. Anschließend fügt man eine kleine Flasche Coca Cola hinzu. Nachdem die Cola mit dem Reis ein Mal aufgekocht wurde, lässt man es ruhen um es anschließend über ein Sieb in eine Tasse zu gießen, so filtert man die Reiskörner aus der Flüssigkeit, die man nun lauwarm trinken soll. Dieses Getränk erinnert eher an einen schwarzen Kaffee, der zu stark gesüßt wurde - aber die Beschwerden sind danach weg! 


Der Pfeifenmann
In der Straße, in der mein Freund wohnte, gibt es einen Verrückten - so glaubten wir zumindest. Abends, wenn wir nach Hause kamen, stand er mit einer Trillerpfeife auf der Straße, nährten wir uns, dann betätigte er seine Pfeife - irgendwie machte er mir Angst. Auch abends im Bett hörten wir seine Pfeife, mal näher, mal weiter entfernt. Mein Freund und ich erklärten ihn als verrückt wie er so einsam durch die Straße zog - nur mit seiner Trillerpfeife und seinem anscheinend zugelaufenen Hund. Irgendwann sprachen wir die Frau, bei der mein Freund lebte, auf diesen „Verrückten“ an. Die Frau schaute uns ein wenig seltsam an bis sie verstand von wem wir überhaupt sprachen. Dann erklärte sie uns wer dieser vermeintlich „Verrückte“ ist. Der Mann mit der Pfeife ist der Sicherheitsmann der Straße. Jede Familie, die in dieser Straße wohnt, gibt ein wenig Geld und so wird er dafür bezahlt, dass er Nacht für Nacht die Häuser bewacht. Somit wandelte sich das Bild des Mannes für mich total. Pfiff er nun abends, wenn wir nach Hause kamen oder im Bett lagen, fühlte ich mich keineswegs mehr bedroht sondern sicher. Ich wusste, jemand bewacht in diesem Moment auch unser Haus und mit seiner Pfeife signalisiert er nur seine Präsenz um potentielle Einbrecher abzuschrecken.

Restauranteinkäufe
In Peru weiß man eigentlich nie so wirklich was als Nächstes passiert. So war es auch dieses Mal: Durch Zufall bekam ich die Gelegenheit in einem Restaurant und Hostel zu arbeiten, es sogar fast zu leiten, da ich die Besitzer vertrat. Bereits in Deutschland hatte ich erste Erfahrungen als Kellnerin gesammelt und dachte deshalb ich wüsste in etwa wie die Abläufe wären - schnell wurde mir klar, dass das nicht der Fall war. Auf der Speisekarte des Restaurants standen zum Beispiel verschiedene Teesorten und es kam relativ oft vor, dass ein Gast eine dieser bestellte. Trotzdem gab es kaum etwas auf Lager. Der peruanische Koch. mit dem ich zusammenarbeitete, kannte die Abläufe dieses Lokals und erklärte mir, dass die meisten Sachen nicht auf Vorrat gekauft werden - eben nicht einmal so etwas wie Teebeutel, Bananen oder Tomaten. Nicht selten kam es also vor, dass ein Gast einen Tee bestellte, ich in den benachbarten oder nahegelegenen Tante-Emma-Laden laufen musste um ein paar Teebeutel zu kaufen. Bestellte jemand zum Frühstück einen frischen Bananensaft, so fragte mich der Koch, ob ich nicht bitte losgehen könne und drei Bananen kaufen könne. Bestellte jemand anderes nun zehn Minuten später auch einen Bananenshake so lief ich wieder los um wieder Bananen zu kaufen. Viele Lebensmittel wurden wirklich exakt in der Menge gekauft wie sie in dem Moment benötigt wurden. Auf der einen Seite verkalkuliert man sich so natürlich wenig, abends bleibt kaum etwas übrig, auf der anderen Seite fühlte ich mich manchmal schon etwas seltsam nach der Teebestellung schnell das Restaurant verlassen zu müssen um einige Minuten danach das Lokal mit einer Hand voll Teebeutel zu betreten. In Deutschland würde so etwas wohl als wenig professionell gelten, in Peru ist das allerdings ganz normal. Durch die vielen kleinen Einkäufe zwischendurch verliert man natürlich auch enorm viel Zeit, was ziemlich unpraktisch ist, wenn das Restaurant gut gefüllt ist, aber in Peru stört man sich nicht so sehr daran, hier hat man einfach noch mehr Zeit.

Hunde
Wie in Deutschland ist auch in Peru der Hund ein beliebtes Haustier. Man sieht viele Familien, die sich diesen treuen Vierbeiner zu Hause halten. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Herrchen und Tier meist anders als in Deutschland, denn hier wird der Hund nur selten als ein weiteres Familienmitglied angesehen um das man sich gut kümmert. Viele Familien besitzen Hunde einzig und alleine aus dem Sicherheitsaspekt. Wachhunde sieht man hier deutlich mehr als in Deutschland. Interessant ist auch, dass die Hunde meist auf dem Dach gehalten werden. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein riesiger Dobermann über die Brüstung der Terrasse schaut. Da die Häuser durch die Erdbebengefahr in Arequipa meist recht niedrig gebaut sind (oft nur zwei Stockwerke), können einem die Hunde manchmal schon recht viel Angst machen. Geht man eine Straße in einer Wohnsiedlung entlang, so wird man von allen Seiten von gefährlich wirkenden Hunden angekläfft. Überraschend ist, dass man trotz der hohen Anzahl an Hunden nur sehr selten jemanden entdeckt, der mit seinem Hund auch einmal Gassi geht. Meist werden Hunde eher auf kleinen begrenzten Flächen gehalten, so lässt sich wohl auch die meist eher aggressive Haltung der Kläffer erklären. Sie sind eben perfekte Wachhunde. Neben den vielen Wachhunden gibt es aber auch viele Straßenhunde. Eigentlich liebe ich Hunde, doch hier nehme ich oft eine etwas distanziertere Haltung zu ihnen ein, da die meisten herum streuenden Hunde krank und sehr verwahrlost aussehen. Eine Freundin von mir wurde leider auch von einem Hund gebissen und gerade hier, wo Tollwut keine Seltenheit ist, sollte man kein Risiko eingehen

Spiritualität
Auffällig ist, dass die Menschen in Peru anscheinend mehr an Geister und andere spirituelle Vorgänge glauben als es in Deutschland der Fall ist. Ich wohnte zum Beispiel in einem Haus, das sich auf einem Grundstück befindet, das vor vielen Jahren einmal ein Friedhof war. Die Familie mit der ich zusammenlebte, glaubte sehr an Phantome und Geister. Geschah etwas Seltsames im Haus, ging zum Beispiel das Licht aus oder bewegte sich eine Tür, so ging man nicht davon aus, dass die Glühbirne kaputt ist oder der Wind die Tür bewegte, nein, für sie war klar, dass Geister mit im Spiel sein mussten. Sie sagten, es gäbe einen kleinen Jungen, der nun als Geist nachts bei ihnen auftaucht, der aber anscheinend nichts Böses möchte. Sie erzählten mir ebenfalls davon, dass sie früher auch negative Geister in ihrem Haus hatten und eine Geisterbeschwörerin rufen mussten um sie zu vertreiben. Vor meinem Aufenthalt in Peru habe ich über Geister eigentlich nie wirklich nachgedacht. Natürlich kann ich nicht belegen, dass sie nicht existieren, eine kaputte Glühlampe allerdings mit Geisterhand zu begründen, empfand ich doch als seltsam. Allerdings habe ich dieses nie direkt geäußert um sie in ihrem Glauben nicht zu verletzen. In Peru scheint es viele Menschen zu geben, die an Geister glauben, so erzählten mir auch andere Freunde von ihren Begegnungen mit Geistern. Außerdem findet man in Peru auch eine Vielzahl an Büchern und Filmen, die vom Übersinnlichen handeln.

Wer sagt die Wahrheit

Des Öfteren geriet ich in Situationen, in denen es zu einer Geschichte mehrere Versionen gab. Oftmals handelte es sich dabei sogar um eher banale Sachverhalte und ich konnte gar nicht verstehen warum einer der Beteiligten Unwahrheiten sagte oder etwas dazu erfand. Da in meiner Erziehung Ehrlichkeit ein wichtiger Wert war, konnte ich diese Situation nicht lange akzeptieren. Ich wusste, wenn ich die Menschen darauf ansprechen würde, könnte eine unangenehme Situation entstehen, da so klar würde, dass mindestens einer ein Lügner sei, Aber nachdem ich mich nun einige Male innerlich darüber so aufgeregt hatte, blieb mir nichts anderes übrig als die Beteiligten  zu Rede zu stellen. Ich glaube, mit dieser Offenheit konnten die Peruaner nur schwer umgehen auch, wenn sie vorher immer beteuert hatten, dass, wenn ich ein Probleme habe, es einfach immer ansprechen solle. Es gab nie jemand zu, dass er gelogen hatte oder ein paar Tatsachen ausgeschmückt hatte.Stattdessen wurde das Gespräch immer sehr schnell von diesem Thema  abgelenkt. Ich erfuhr also nur selten wie bestimmte Situationen wirklich passiert waren und anfangs deprimierte mich das, da ich mich auch persönlich verletzt fühlte. Dachten die Peruaner ich wäre „dumm“!? Als ich mich allerdings mit anderen über dieses Problem austauschte, wurde mir klar, dass ich keineswegs die Einzige war der es so erging. Ich akzeptierte ab diesem Moment einfach, dass man eben nicht alles glauben sollte, was einem erzählt wurde und lächelte sogar ein wenig über die Kreativität der Peruaner. Mir ist aufgefallen, dass sie sich sehr über Sensationen freuen und den Nachbarschaftsklatsch lieben. Gibt es einmal nichts Spannendes zu erzählen dichtet man einfach ein wenig was dazu und schon ist das Leben wieder ein wenig spannender!